Betreuerin: Jugendklubs leiden unter dem sinkenden Zuspruch

Abwanderung von Jugendlichen aus dem Erzgebirge für Einrichtungen ein Problem - Jugendklub Haselbach nach Brandkatastrophe noch ohne neue Räume.

Jugendpflegerinnen vom netzwerkSALUTO sind seit März zwischen Zöblitz und Deutschneudorf zur Unterstützung der offenen Kinder- und Jugendarbeit unterwegs. Verena Schneider aus Marienberg und Ines Hegewald aus Zöblitz schauen auf zehn Monate Arbeit zurück. Beide betreuen Jugendklubs und Freizeittreffs.

Von Karlheinz Schlegel

Olbernhau. "Wir möchten, dass die Jugendklubs eigenständig eine sinnvolle Arbeit leisten, damit die Mädchen und Jungen sich vielseitig betätigen können", erläutert Verena Schneider. Als Beispiel nennt sie den Jugendklub in Hallbach. Kristin Münzner und Nico Spiegelhauer sind dort Stammgäste. "Wir haben viel Freizeit in die Renovierung der Räume investiert und fühlen uns jetzt richtig wohl", erzählen die beiden 16-jährigen Lehrlinge. "Wir sind fast täglich hier. Fernsehen, Billard spielen und sich unterhalten, das macht uns Spaß. Sogar bei den Hausaufgaben haben wir uns hier schon gegenseitig geholfen."

Verena Schneider sucht die Jugendklubs in ihrem Verantwortungsbereich regelmäßig auf. Dabei achtet sie unter anderem auf die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes hinsichtlich Nikotin- und Alkoholkonsums. Bei Verstößen wird sie schon mal ungehalten. "Die Jugendklubleitungen werden immer wieder darauf hingewiesen, derartiges zu unterbinden. Ausschließen können wir es leider nie", sagt die studierte Sozialpädagogin. Ein Problem beschäftigt sie ganz besonders. "Leider besuchen die Klubs immer weniger Jugendliche. Da haben wir zurzeit einiges zu tun, um wieder mehr 16- bis 25-Jährige zu gewinnen", erläutert sie. "Bei uns sind sie auf jeden Fall besser aufgehoben als auf der Straße. Natürlich merken wir auch, dass viele Jugendliche nach der 10. und 12. Klasse leider aus dem Erzgebirge abwandern, weil sie hier keine Lehrstelle bekommen."

Ein anderes Problem ist: Für den Jugendklub in Haselbach gibt es nach dem Brand des Erblehngerichtes noch kein neues Domizil. Pfaffrodas Bürgermeister Reiner Lippmann kennt das Problem: "Am liebsten wäre mir, wenn wir erst einmal einen großen Bauwagen bekämen, wo sich die Jugendlichen aufhalten könnten. Aber wir haben auch schon ein paar Gebäude im Visier und wollen so schnell wie möglich eine Lösung finden."

Ines Hegewald betreut in Zöblitz und Umgebung Kinder und Jugendliche. Sie konnte Anfang Dezember mit dem Freizeittreff in die ehemalige Grundschule der Stadt umziehen. Für die offene Jugendarbeit mit 6- bis 13-Jährigen ergeben sich dadurch bessere Möglichkeiten. "Wir bekommen Fördermittel von der Aktion Mensch für einen Keramikofen", verrät sie. Die gesamte Jugendarbeit gibt es nicht zum Nulltarif. Ohne Zuwendungen von den Kommunen im Verantwortungsbereich der beiden Jugendpflegerinnen, Geld vom Jugendamt und Unterstützung durch Sponsoren wäre die Arbeit in den Jugendklubs und Freizeittreffs nicht möglich.



Freie Presse / Marienberg; 14. Dezember 2006