Mehr Aufmerksamkeit für ADHS

Selbsthilfegruppe trifft sich zum ersten Mal in Olbernhau - Jungen stärker betroffen

Von Sandra Häfner

Olbernhau. Erstmals hat sich am Samstagvormittag die neu gegründete Selbsthilfegruppe Familieninitiative-ADHS und anderer Stress im Olbernhauer Rittergut getroffen. Neben sechs Familien, die im Vorfeld bereits an Seminaren zu dem Thema teilgenommen hatten, kamen zusätzlich zehn Erwachsene zu dem Treffen, zu dem eine Psychologin der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Annaberg-Buchholz über diagnostische Verfahren sowie Therapiemaßnahmen sprach. Hinter der Abkürzung ADHS versteckt sich die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.

Wie hoch der Bedarf von Eltern ist, sich über die Krankheit ihrer Kinder auszutauschen, zeigt eine Zahl. In Deutschland leben nach offiziellen Angaben rund 600.000 Mädchen und Jungen, bei denen ADHS diagnostiziert wurde. "1991 waren es bundesweit noch 1500 Betroffene", sagte Thomas Hildebrandt, Leiter der Selbsthilfegruppe. Die stark gestiegenen Fälle führt er zum einen auf eine verstärkte Diagnose zum anderen aber auch auf die gestiegene Sensibilität von Kinderärzten für dieses Thema zurück.

Doch sensibilisiert, so hat sich am Samstag in Olbernhau herausgestellt, sind bei weitem noch nicht alle Bereiche des Lebens für dieses Krankheitsbild. "Die Schulen sind ein heikles Thema. ADHS findet dort kaum Beachtung, häufig wird den Eltern ein Teil der Schuld an der Krankheit zugewiesen", so Hildebrandt. Deshalb hat die Gruppe auch beschlossen, sich bei einem ihrer nächsten Treffen verstärkt mit diesem Thema zu beschäftigen und möglicherweise Lehrer einzuladen. Die Tagesklinik in Annaberg bietet zwar für Pädagogen Fortbildungen zu diesem Thema an, aber gerade von Schulen aus dem ländlichen Raum gebe es kaum Resonanz, so der Leiter der Selbsthilfegruppe. Dabei sei ADHS ein gesellschaftliches Problem.

Von der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung am häufigsten betroffen sind Jungen. "Auf vier Jungen kommt ein Mädchen mit ADHS", erklärte Hildebrandt. Der stärkere Bewegungsdrang der Jungen sei ein Grund dafür. Meist manifestiert sich die Krankheit im Vorschulalter. "Im Alter zwischen sechs und elf Jahren, wenn der Bewegungsdrang am größten ist, wird die Krankheit am häufigsten festgestellt", berichtete Thomas Hildebrandt.

Die Selbsthilfegruppe will sich viermal jährlich in Olbernhau treffen. Die nächste Zusammenkunft findet am 19. Juni statt.



Freie Presse / Marienberg; 26. April 20