Freizeittreff verliert seine Leiterin Neustrukturierung der Jugendarbeit fordert erste Opfer - Verein zieht sich als Arbeitgeber zurück

Neue Strukturen in der Jugendarbeit soll es im nächsten Jahr im Mittleren Erzgebirgskreis geben. Wie diese einmal aussehen sollen, darüber wird gegenwärtig noch heftig diskutiert, denn das ursprünglich vom Jugendamt favorisierte Konzept funktioniert nicht wie geplant. Dreh- und Angelpunkt sind einmal mehr die Finanzen.

VON ANTJE FLATH

Olbernhau. Betroffen davon sind unter anderem die Kinder und Jugendlichen in Seiffen. Die langjährige Leiterin des Freizeittreffs Jacqueline Zeidler wird ab Januar nicht mehr für ihre Schützlinge da sein. Ihr Arbeitgeber, der Verein Regionale Jugendarbeit, hat ihr wie auch Jugendpflegerin Iris Dietz vom Verwaltungsverband Grüner Grund zum 31. Dezember gekündigt. Eine vorsorgliche Maßnahme wie Vereinsvorsitzende Kerstin Buschmann aus Zschopau sagt, um aufgrund der nach wie vor ungeklärten Situation die beiden Stellen ab Januar nicht aus eigener Tasche bezahlen zu müssen. Der Verein werde zudem 2006 nicht mehr als Arbeitgeber auftreten, zieht die Zschopauern die Konsequenz aus monatelangen Querelen. In Seifen werde der Freizeittreff bis Ende März noch von ABM-Kräften betreut - wie es dann weitergeht, vermag noch keiner zu sagen. Im Grünen Grund wird es die Stelle des Jugendpflegers weiterhin geben, allerdings unter anderer Trägerschaft, sagt Kerstin Buschmann.

Besorgt blickt auch Bettina Arnold vom Sozialwerk des Demokratischen Frauenbundes (dfb) in Marienberg ins nächste Jahr. Neben den Jugendpflegerstellen in mehreren Orten, unter anderem in Zöblitz und Pfaffroda, zeichnet der Verein auch für die Straßensozialarbeit in Olbernhau verantwortlich. Ob alle Stellen erhalten werden können, ist noch unklar, wenngleich Bettina Arnold noch Hoffnung hat.

Fest steht: Das Konzept, nach dem der Verein zusammen mit dem Verein Regionale Jugendarbeit und einer freiberuflichen Familientherapeutin im nächsten Jahr die Jugendarbeit im Olbemhau sowie in den Gemeinden Deutschneudorf, Heidersdorf, Pfaffroda, Seifen und Zöblitz gestalten will, lässt sich nach dem derzeitigen Stand der Dinge ~inhaltlich und personell nicht umsetzen". Hauptgrund dafür ist einmal mehr das Geld. Entsprechend eines Beschlusses des Jugendhilfeausschusses stünde für die genannten Kommunen - sie bilden den Sozialraum III - pro Jahr insgesamt knapp 94.000 Euro zur Verfügung. Die Summe ergibt sich aus der Zahl der in dieser Region lebenden Kinder und Jugendlichen im Alter von o bis 27 Jahren, das sind annähernd 6ooo, Der Sozialraum III ist damit der kleinste. Dem Sozialraum 1 mit dem Zentrum Zschopau und reichlich 8000 jungen Leuten stünden entsprechend dieser Rechnung reichlich 133.000 Euro, dem Sozialraum II mit dem Zentrum Marienberg und reichlich 10.000 Jugendlichen knapp 178.000 Euro zur Verfügung. Eine Konstellation, die auch die Verwaltung im Jugendamt schon zu dem Schluss kommen ließ: Die Lebensfähigkeit des Sozialraumes III ist mit diesem Finanzrahmen nicht gegeben."

Hinzu kommt, dass aus dem Geld für den Sozialraum III die volle Stelle des Hausleiters Jugendzentrum im Kleinneuschönberg mitfinanziert werden soll, obwohl sich die Einrichtung aus dem Ideenwettbewerb für die Arbeit in den Sozialräumen ausgeklinkt hatte. Eine Forderung, die zusätzlich für Unmut und für Unverständnis unter den Beteiligten sorgt, da damit ein reichliches Drittel des Budgets schon gebunden wäre.

Eine von der Verwaltung angestrebte Kürzung des Budgets für Marienberg zugunsten der beiden anderen Sozialräume wurde im Jugendhilfeausschuss abgelehnt. Eine Neustrukturierung der Sozialräume, wie sie der Pockauer Thomas Börner vorgeschlagen hatte Pockau statt dem Sozialraum Marienberg dem Sozialraum Olbernhau zuzuordnen - stieß weder im Ausschuss noch in der Verwaltung auf offene Ohren. Dadurch hätte sich die Zahl der Jugendlichen und somit auch der zur Verfügung stehende Betrag erhöht.
Sozialdezernent Ralf Schenk hält trotz der derzeit unklaren Situation an dem Konzept der Sozialräume fest. Er ist überzeugt, dass im nächsten Jahr eine Lösung gefunden wird. Eine Möglichkeit könnte seinen Worten nach sein, nach möglichen Reserven für die Jugendarbeit im Haushalt des Kreises zu suchen. Zugleich kündigt er an, dass man im Jugendzentrum Kleinneuschönberg mit Einschränkungen rechnen muss. "20.000 Euro müssen reichen", fordert Schenk.

Die nächste Jugendhilfeausschusssitzung ist am 26. Januar vorgesehen.

Freie Presse / Marienberg; 29. Dezember 2005